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Rita am Rand

Rita schlurft den Central Park entlang. Die halbbeinigen Ausgegerbten sieht sie schon lange nicht mehr, auch nicht den schwarzweiss gescheckten Sonderling beachtet sie, der unablässig mit dem Zeitungspapier raschelt, Musik macht, sich dreht und hüpft wie ein junger Vogel. Nebenan spielt ein kleines verlottertes Mädchen. Touristen lieben seinen Anblick, wie sie den Anblick der ausgemergelten Feuerleitern lieben und die zeitverblätterten Häuserfassaden. Keiner von ihnen bezichtigt sich der Besucherromantik, sie glotzen nur, begaffen die Löcher in dem roten Kinderpullover und denken sich, dass es bei den vielen kunstvollen Zöpfchen auf dem Kopf ja nicht dermassen schlimm sein kann. Die Situation und das ganze. Wir gehen einstweilen Downtown, sagen sie sich dann, wir besuchen die Wallstreet und fahren um die Statue of Liberty, mit Schiff und Wind im Haar, dann essen wir, ein Eis am Hafen, später suchen wir uns ein asiatisches Restaurant mit Silberbesteck, auf dem diese hübschen chinesische Drachen eingraviert sind. In Gabel und Messer und Löffel. Ein Freund hat davon berichtet, der war letztes Jahr fünfmal hier.

Eine Winterlandschaft sind Ritas Augen schon, dabei hat erst vor nicht langer Zeit der Wind an Hingabe zugelegt, um dem Grün, das sich inmitten der Insel aufbauscht, den Sommer zu brechen. An manchen Tagen ist es auch die Sonne. In fortgeschrittenem Licht altert sie durch die Buchenblätter, über den Ahorn, über die unzähligen Büsche, deren Namen Rita wohl auch nicht kennt. Als riesle mit den Farben die Wehmut vom Himmel, so geht die Luft und der Atem.

Rita spinnt. Sagt man. Sie wurde geschlagen, sie wurde vergewaltigt, und dann hat sie ihn umgebracht. Hinter sauberen Fingern sagt man das, die Hand vor dem Mund mit der gewaschenen Borte am Handgelenk. Mit dem Messer hat sie ihm in den Hals gestochen. Direkt hinter dem Adamsapfel rein, zagg, es hat gespritzt wie aus einem Wasserhydranten und er, er ist mit ausgeblutetem Gesicht und offner Hose gefunden worden. Seither schweigt Rita, und spinnt.
Das ist alles nicht wahr. Rita hat keinen umgebracht und keiner ihre Würde in teuflischer Triebhaftigkeit. Aber das wollen sie nicht wissen, die anderen. Sie brauchen Abends in der geheizten Wohnstube das Schauern über dem Wirbelhügelzug, das sich so angenehm vermischt mit dem tiefen Zug aus der kalifornischen Flasche. Das arme Mädchen, seufzen sie dann, sie hat gar grausiges mitgemacht.

Am rechten Ufer der Strasse versuchen grelle Menschen auf dem Laufband ihre Leere mit dem angestrampelten Schweiss zu füllen. Es dämmert zwischen den Häusern, und verstohlen sehnt man sich nach dem Gefühl von Handschuhen und Strumpfhose, insgeheim fährt man sich übers Haar, weil man den Hut vermisst, der den Luftstössen die geordnete Frisur vorenthält, so ist es doch; in einem Anflug von Nostalgie erinnert man sich der Zeit jenes einen Spätherbstabends, als man Jeffrey an der Ecke Lexington Avenue und 112 Street in die noch unbekannten Arme rannte, als Jonathan, aus dessen Kopf damals noch jugendliche Locken wilderten, aus dem Friseursalon stürmte, weil man von ihm schon von weitem erkannt worden war. Nichts war romantischer als der vor Aufregung bebende Schaum an seinem Kinn im luftigen Abendlicht. 
Man schiebt eilig die Gedanken den zugigen Wolken hinterher, dass Jeffrey heute vier Kinder und eine andere Frau hat, dass Jonathan glatzköpfig und noch immer gleich juvenil bei seiner Mutter wohnt, die tagein tagaus Ham and Eggs kocht, um ihr Baby unbeweglich, pflegebedürftig und bei Laune zu halten.

Allmählich schiebt sich die Nacht ins erfüllte Dämmerlicht. Rita geht vorbei, sie beachtet keinen und in der Dunkelheit wird auch sie von munkelnden Blicken übergangen. Laternen pflanzen Kreise auf den Gehweg, Rita taucht auf, Rita verschwindet wieder. Man weiss nicht, was mit ihr ist. Aber man fühlt den Winter kommen.
3.10.07 12:26


Brief an Madamm: Über Bachstelzen und dergleichen Wichtigkeiten.

Immerfort klagen wir nach der Zeit, die über die Klinge Vergänglichkeit jagt, ohne Zeichen der Empathie unserer Verlustängste gegenüber. Nicht anders jetzt, strandfarbene Madamm. Wieder bin ich in Eile. Die Aufgaben hocken mir im Nacken und injizieren mir Nervosität in unangenehmer Dosis, da hilft auch das Rauchen nicht, über welches ich ohnehin schon zu viele Worte verbrochen habe. Ausser natürlich damals, als es um die Mentholzigaretten ging, die ich dir auf dem Parkplatz vor die Füsse legte. Ganz Madamm, ganz wild und wortlos.

Ein Jahr ist`s her nun. Rote Gedanken wolken auf, derweil ich manchmal den Kopf am Türrahmen ruhen lasse. Wie ein Gesicht unversehens die bekannten Worte zu schmücken begann, als wir uns gegenüber sassen, auf einmal rankte sich ein Lachen um die Sätze, wache und gleichzeitig verklärte Augen schelmten aus den Texten, die bis anhin ledigleich überaus geschätzt worden waren, aber noch nicht bewohnt: von dir, Madamm.

Ich will dir was erzählen. Ein Junge, so alt wie mein kleiner Bruder - welcher selbstverständlich schon längst grösser ist als ich, der aber nichtsdestotrotz stets mein kleiner bleiben wird - hat mir drei schreibmaschinen getippte Blätter gegeben, nachdem ich ihn erneut ermuntert hatte und ihm zudem versicherte, dass mein Unbehagen, welches ich gegenüber Thomas Manns Schriftstücken äusserte, nicht so gemeint gewesen war, wie er es aus dem Mund meiner imposanten Erscheinung eingeschüchtert verstanden hatte; ein kleiner blonder Junge, zu alt um Junge genannt zu werden, meinetwegen, aber seit ich seine Sätze gelesen habe, wird er dieses fast schon zärtlichen Attributs nicht mehr ledig werden. Eine Wortgewandtheit, die erfreulich ist im grauen Schwemmbecken eintöniger Tagebuchverzetteleien, viel aufbauender als erwartet strömten seine Sätze in die Ecke meines Befindens, die ich ganz grosszügig Örtlichkeit des Wohlbehagens nenne. Richtig gerührt von so viel Güte und Hoffnung war ich, die aus den Zeilen strömten. Noch sind die Sätze zwar eloquent, nicht aber begnadet mit diesem besagten Segen, der Gutes zu Blitzeinschlagendem macht. Der trifft und strahlt und bamm!, ins Innerste sticht, ohne dass man exakt begründen könnte, warum dem so ist. Über die Jungend schreibt er, verfasst Briefe an Schriftsteller und Kolumnisten, ohne diese marode Schüchternheit, die manch einen von uns in ihren Klauen hält, um ihn schlussendlich zum Frass der geierhaften Verschwendung vor deren hornhäutige Zehen hernieder zu schleudern. Nicht also eine Vollkommenheit rief meine Rührung hervor, sondern dieser kleine Mut, dieses Suchen und Versuchen an Sprache. Diese Wortklaubereien, die mir so wohlbekannt sind, das Üben und Nachahmen, und letzten Endes das den Sätzen versteckt immanente Verzweifeln an der Gewöhnlichkeit. Wie Bachstelzen durchwaten wir die Sümpfe des schon Gesagten und picken die Würmer auf, die dereinst den alten Kompost zu neuem Humus umwandeln sollen. Wir fressen sie hungernd, verleiben uns wohlverklungenes Instrumentarium ein, um irgendwann, so es denn sein soll, auszubrechen und eine eigene Musik zum Tönen zu bringen.

Bachstelze, das wäre ein Wort gewesen, Madamm. Ich liebe es nicht nur aus dem Grund, weil Henze die wunderbarste Bachmann in seinen Briefen oft so begrüsst hat: Meine liebe Bachstelze.

Ich packe meinen Hut, der auf den neuen aufregenden Fliessen liegt. Ein neuer Boden unter meinen Füssen, den ich unweit davon entfernt bin Zuhause zu nennen. Und, vorausgeahnt: bald wird es so sein. Der Spiegel ist noch nicht aufgehängt, aber er steht anschaulich schief auf meinem Tisch. Die Nägel stehen gut platziert daneben, aber wie anstrengend es ist, den Hammer in die Hand zu nehmen und die Nägel in die Wand zu kloppen. Viel lieber tippe ich Wort für Wort über eine seltsame Maschine, um am Ende zu denken: aha, ein Brief. Zwar ein stinkend Altmodischer, aber nun gut. Das Gefühl eines korrekt aufgehängten Spiegels wäre vielleicht auf Dauer befriedigender, was meinst du? Wenn er dann gerade hängt, genau richtig für Gesicht und Hintern und was man sich sonst noch so anschaut in dergleichen Selbstreflexionsgelegenheiten. Man kann sich auch ablichten, man kann den Hut schräg über die eine Augenbraue ziehen, kann sich im russischen Winkel aufstellen, damit die Wangenknochen ihre Behauptungen in den Raum protzen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich bestimmt zehn verschiedene Hüte besitze? Karierte und grüne und graue, solche mit Krempe und ander mit Schlaberdach oder diese Herrendinger, die mir ums Verrecken nicht stehen wollen? Dabei bin ich in jene am allermeisten verliebt. Haben wir schon einmal über die Wichtigkeit von Hüten gesprochen?

Ah. Ich muss aufhören. Merkst du, wie dringend ich aufhören muss? Stets kaue ich mir in solchen Momenten auf dem Daumen. Eine Angewohnheit, die mir in Kinderjahren Maulwurfszähne beschert hat. Heute ist dieses tierische Moment säuberlich aus meinem Gesichtchen wegkorrigiert, aber ich laufe allmählich Gefahr, wieder an äusserer Menschlichkeit einzubüssen. So denn:

Rot. In Erinnerung an einen Anfang.

Die Andere.

3.10.07 13:40


Interview mit der geistreichen Zeitschrift KV

Zeitschrift: Vielen Dank, Frau NilaVero, dass Sie sich zu einem Gespräch bereit gefunden haben. Meine erste Frage ist: Wie lange schreiben Sie eigentlich schon?
NilaVero: Ich habe schon Wandschmierereien in der Gebärmutter hinterlassen.

Zeitschrift: Das ist sehr interessant. Können Sie unseren Lesern mehr darüber erzählen, was Sie dazu bewogen hat, mit dem Schreiben zu beginnen?
NilaVero: Ich habe dort festgesteckt. Ich war gezwungen, was mit der Zeit anzufangen.

Zeitschrift: Der Schritt vom privaten Schreiben zur Veröffentlichung im Internet ist sicher ein großes Wagnis gewesen. Was hat Sie dazu bewogen, mit Ihren Texten an die Öffentlichkeit zu gehen?
NilaVero: Es war das Trauma, zu lange in der Gebärmutter eingesperrt zu sein. Jetzt verspüre ich immer den unaussprechlichen Drang, alles was ich tue und schreibe, in die Welt zu übergeben. Resultat einer defizitären Anfangsgzeit.

Zeitschrift: Wir haben Ihre Texte auf der bekannten Autorenplattform "keinVerlag.de" entdeckt. Warum veröffentlichen Sie gerade dort? Was ist das Besondere an dieser Seite?
NilaVero: Die Zeit in der Gebärmutter war nicht ausschliesslich schlecht. So warm und nett und überschwängerlich. Da überkommt einen zuweilen die Nostalgie.

Zeitschrift: Haben Sie, als erfahrene Literatin, vielleicht den einen oder anderen Tipp für diejenigen unserer Leser und Leserinnen, die sich bisher noch nicht mit ihre Texten an die Öffentlichkeit gewagt haben?
NilaVero: Ja. Man lege sich eine kalkuliert exzentrische Entschuldigungstheorie zurecht und beginne mit der Ausscheidung. Übrigens, wenn es mir anzumerken erlaubt ist: es heisst "mit ihren Texten", nicht "mit ihre Texten". Ein Dativ ist doch nicht so hässlich, dass man ihn verstecken muss, oder?

Zeitschrift: Vielen Dank. Sagen Sie, Frau NilaVero, hat das Schreiben und Veröffentlichen Ihr Leben oder Ihren Lebensstil eigentlich wesentlich beeinflusst oder verändert?
NilaVero: Beeinflusst ist die falsche Bezeichnung, Sie wirken unaufmerksam: es geht um Ausfluss.

Zeitschrift: Wie kommt eigentlich Ihre Familie mit der Tatsache klar, dass Sie als erfolgreiche Autorin auch immer im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen?
NilaVero: Sie lachen über die Leute, die mich Autorin nennen und sagen: NilaVero hat ja nicht mal den Führerschein. Meine Familie ist etwas eigentümlich.

Zeitschrift: Das ist für Sie, insgesamt gesehen, sicher nicht immer einfach. Wie verhalten sich eigentlich Ihre Kolleginnen und Kollegen hier auf keinVerlag.de zu Ihnen, Ihren Texten und Ihrem Erfolg?
NilaVero: Es gibt einige, die fallen auf die Gebärmuttervergangenheit und die konzipierte Traumageschichte rein.

Zeitschrift: Vielen Dank für Ihre offenen Antworten, Frau NilaVero. Möchten Sie unseren Lesern und Leserinnen zum Schluss noch ein paar Worte sagen?
NilaVero: Für alle Interessierten: Ich halte nächste Woche einen Vortrag über "Fötale Aktionskunst". Interessierte können sich per PN anmelden.
9.10.07 01:15


Eierputzen.

Ich nicke und sage, ja, ich komme mit. Die eine weisse Hand stecke ich in die Hosentasche, weil doch alles durcheinander ist und der Herbst nicht lau sondern eisig, die andere weisse packt den Jackenzipfel von Katrina. Die Dunkelheit auf dem Land ist dunkler, sie ist verlassner, und mein akademisch verdorbner Kopf poetisiert, ob ihr spezifisches Gewicht wohl grösser ist hier am Hang, wo die Ferne nur von weitem eine blasse Anwesenheit der Stadt entwirft.

Katrina schiebt ihr Gewölbe durch die Stille, schlurft mit ihren braunen Stiefeln auf dem Weg, der neuerdings geteert ist und befahrbar, und immer wieder zerrt sie an ihrem Hosenbund rum, weil sie den Knopf nicht mehr zubekommt vor lauter Plazenta und Kind hinter der verrissnen Bauchhaut. So gross wie die Kugel jetzt schon ist, könnte man denken, es steckten zwei oder drei dahinter, aber der Arzt hat`s abgeklärt und ich werde ihr im letzten Monat wieder die Stiefel ausziehen müssen, weil sie ihre Arme nicht mehr über die Kuppel ihres Doms bringt und ebenso wenig drum herum.

Sie drückt mir einen harten Schwamm in die Hand und ich bemerke, dass auch ihre Finger ganz dick geworden sind, ganz aufgepumt sind sie, wie aufgeblasene Gummihandschuhe. Ich denke an melchen und Kuheuter, wenngleich ich daraufhin über eine von ihr vorgebrachten Kötertötungsvariante lachen muss. Den Hund haben wir ausgesperrt, weil er schnappt und alt ist und ausgesprochen dumm, und die Vorschläge, wie wir ihn sterben lassen könnten, sind vor allem Katrina ernst, selbst wenn wir kichern wie tagsüber die Hühner, die jetzt irgendwo hinter der Bretterwand schlafen in ihren Nestern oder auf ihren Stangen. In aussetzerischen Augenblicken vermag der Hund nicht zu unterscheiden zwischen Schaf, Wurst im Fressnapf und zutraulichem Kindergesicht, das macht Katrina Angst und sie verflucht die nostalgischen Gründe, welche die Besitzerin vom Einschläfern abhalten.

Mit dem Fuss und einer unkontrolliert kummervollen Falte im Gesicht drückt sie auf ein schwarzes Gerät, das aussieht wie das Pedal einer Nähmaschine, und unversehens rollen die Eier auf dem Föderband aus dem schwarzen Loch raus. Ohne viel zu fragen ahme ich Katrina nach, putze den Schmutz weg, schrubbe vielleicht etwas mehr und langsamer, weil ich unsicher bin und ungeübt in derlei Unterfangen, aber ich blicke genau hin: diejenigen mit Sprung in den einen separaten Karton. Die werden zu Industrieeiern verarbeitet, erklärt sie, zu Pulver beispielsweise, wie es in trocknem Schokoladenpuddingstaub schon enthalten sei, weil man da doch bloss noch Milch hinzufügen müsse, und ja, wie ich mir den vorstelle, wo die Eier versteckt seien, die man doch für Schokoladenpudding brauche. An sowas habe ich noch nie gedacht. Ich denke selten an solche Dinge.

Pro Tag ein Ei?, frage ich. Katrina nickt.

Ein Ei entsteht in einem Tag? Katrina schüttelt den Kopf und hebt an mit Erklärung und lacht dann plötzlich auf, weil sie es selber auch nicht so genau weiss, wie lange die Eier brauchen, bis sie reif ins Nest gelegt werden können, das schräg ist, damit die unbefruchteten Möglichkeiten schön aufs Förderband herunter kullern.

Fünfzehn Tage. Schlägt sie vor, habe sie einmal gehört, und wir stellen uns fünfzehn Eier vor, die in einem Hühnerbauch Schlange stehen.  Katrinas dicke finger fahren durch ihr Bauernhaar, ihr Gesicht lacht, ihre Augen und ihr Mund –

ah!

10.10.07 12:49


Auswurf I

[...] Ach Gott, hustet sie und lacht alsbald ins Husten hinein, als wäre das Krächzen ein Clown und sie die vergnügte Zuschauerreihe. Sie lacht und hustet, bis ihr fast die Äderchen platzen an Stirn und in der Lunge. Ihre Bettdecke ist mit hellen Fuseln übersät, weil sie nicht die Kraft gefunden hat, die Bezüge zu waschen, sie abzustreifen und hochzutragen zur Maschine, über die knarrende Treppe und an der Ida vorüber, die immer dann Schuhe vor die Tür stellt, wenn einer vorbei will. Sie hustet in ihr Taschentuch, derweil sie die Augen schliesst, um nicht sehen zu müssen, was aus der lädierten Musikbox alles heraus kommt. Sie fürchet, es könnten Staubknollen sein. Oder anderes, was sie nicht ansehen kann, denn auch ihr Magen hat über die Zeit gelitten und erträgt nicht mehr jeden vorlauten Anlick. [...]

20.10.07 21:03


Ich will die Trockenheit. Ich will die wilde Sprache. Ich will die ungestüme Klarheit.

20.10.07 21:56


geschrieben in: HELVETICA, Schriftgrösse: 10 Pt. Weiter: nichts.

Die neue Angewohnheit: bei Dämmerung nicht nach Hause gehen. Aber man kommt sich ja doch nicht davon. Das Grau der Altstadttreppen, das Grau der Häuserwände und das Grau des verspechenden Himmels rahmen die Flucht und mich und tragen sie Schritt um Schritt unaufhörlich

Man kommt sich nicht davon. Das wusste ich ja schon immer. Aber man glaubt sich auch nicht, vor allem nicht, wenn die Luft noch laut ist, solange man für ein Ziel das Gehirn zu schulen sucht, wenn man lernt und theoretische Dinge frisst, als wären es Würste oder Brot oder Salat; wenn man Salat mag. Und ebenso, wenn man Salat nicht mag. Das spielt keine Rolle. Dick wird der Kopf ohnehin und fettleibig, man schwitzt wie ein Cholesterinamerikaner, wobei einem, sobald das Übermass erreicht ist, alles aus den Augen quillt. Vergessen geht

Ich renne die Treppen hoch. Grau bin ich gekleidet, wie passend! sing ich laut, ich bin in Grau, der Himmel ist grau, und das ist der Witz der Woche sowie der Witz des Jahres und des Lebens. Dass ich absolut nicht komisch bin, das hat mir selten einer auf Anhieb angemerkt, aber ich weiss es natürlich und vermag nicht so ohne weiteres und heimlichem Griesgram drüber hinwegzusehen. Viel zu wichtig bin ich mir, was die Notationen schon lange kundtun. So scharfgeistig weiss ich über mir zu geiern. Und die Liebe

Juwelier Schuster, Hotel zur Heimat, Pepe Jeans, Storchen und Trittligasse rauf und die Trittligasse ohne Trittli wieder runter, hinten, wo die grosse Villa steht, die Villa Tobler mit dem schönen Garten, der keiner begehen darf, weil Privatsitz und bestimmt alle tot und alles leer. Oder eine Stiftung. Oder eine alte Oma, die das eine Zimmer von dreiundzwanzig behaust. Das Nachttischchen mit dem selbergehäkelten weissen Spitzentuch, unten links die Initialen: E.T. Bestimmt heisst sie Elisabeth. Alle vornehmen alten Frauen heissen Elisabeth. Geschwungenes E, geschnörkeltes T. Die alte Nachttischlampe daneben würde keiner, nicht mal ein Asylant in der Brockenstube, für 5 Franken kaufen, aber E.T. hält sie in Ehren und würde lieber streben, als nicht mehr jeden Abend bei andächtiger Dämmerung mit ihren Arthrosenfinger den Knopf drücken zu können. Das Besteck ist Silbern, dort allerdings sind die Initialen noch von ihrer Mutter eingraviert, bestimmt auch E.T. Wobei, ich bedenke, das T. könnte auch ein G. gewesen sein, oder ein F. oder ein R. Dagegen ist Q eine irrwitzige Idee, hat doch die Frau Mama mit sicherheit nicht einen Ausländer geheiratet, pfui Teufel. Die Elisabeth von der Villa würde mir für solch einen herausgeplatzten gedanklichen Fauxpas mit dem japanischen Kaligraphiepinsel ihres Vaters, der einst als Kaufmann gross in der Welt herumgekommen ist, auf die Finger hauen. 

Wie ein Geier wartet man über sich auf den Tod. Damit man sich endlich ganz fressen kann, nicht bloss innerlich und psychisch, und derlei Ausdrücke

An der Kurve hinten küsse ich eine Kröte. Aber du
22.10.07 19:07





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