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Eierputzen.

Ich nicke und sage, ja, ich komme mit. Die eine weisse Hand stecke ich in die Hosentasche, weil doch alles durcheinander ist und der Herbst nicht lau sondern eisig, die andere weisse packt den Jackenzipfel von Katrina. Die Dunkelheit auf dem Land ist dunkler, sie ist verlassner, und mein akademisch verdorbner Kopf poetisiert, ob ihr spezifisches Gewicht wohl grösser ist hier am Hang, wo die Ferne nur von weitem eine blasse Anwesenheit der Stadt entwirft.

Katrina schiebt ihr Gewölbe durch die Stille, schlurft mit ihren braunen Stiefeln auf dem Weg, der neuerdings geteert ist und befahrbar, und immer wieder zerrt sie an ihrem Hosenbund rum, weil sie den Knopf nicht mehr zubekommt vor lauter Plazenta und Kind hinter der verrissnen Bauchhaut. So gross wie die Kugel jetzt schon ist, könnte man denken, es steckten zwei oder drei dahinter, aber der Arzt hat`s abgeklärt und ich werde ihr im letzten Monat wieder die Stiefel ausziehen müssen, weil sie ihre Arme nicht mehr über die Kuppel ihres Doms bringt und ebenso wenig drum herum.

Sie drückt mir einen harten Schwamm in die Hand und ich bemerke, dass auch ihre Finger ganz dick geworden sind, ganz aufgepumt sind sie, wie aufgeblasene Gummihandschuhe. Ich denke an melchen und Kuheuter, wenngleich ich daraufhin über eine von ihr vorgebrachten Kötertötungsvariante lachen muss. Den Hund haben wir ausgesperrt, weil er schnappt und alt ist und ausgesprochen dumm, und die Vorschläge, wie wir ihn sterben lassen könnten, sind vor allem Katrina ernst, selbst wenn wir kichern wie tagsüber die Hühner, die jetzt irgendwo hinter der Bretterwand schlafen in ihren Nestern oder auf ihren Stangen. In aussetzerischen Augenblicken vermag der Hund nicht zu unterscheiden zwischen Schaf, Wurst im Fressnapf und zutraulichem Kindergesicht, das macht Katrina Angst und sie verflucht die nostalgischen Gründe, welche die Besitzerin vom Einschläfern abhalten.

Mit dem Fuss und einer unkontrolliert kummervollen Falte im Gesicht drückt sie auf ein schwarzes Gerät, das aussieht wie das Pedal einer Nähmaschine, und unversehens rollen die Eier auf dem Föderband aus dem schwarzen Loch raus. Ohne viel zu fragen ahme ich Katrina nach, putze den Schmutz weg, schrubbe vielleicht etwas mehr und langsamer, weil ich unsicher bin und ungeübt in derlei Unterfangen, aber ich blicke genau hin: diejenigen mit Sprung in den einen separaten Karton. Die werden zu Industrieeiern verarbeitet, erklärt sie, zu Pulver beispielsweise, wie es in trocknem Schokoladenpuddingstaub schon enthalten sei, weil man da doch bloss noch Milch hinzufügen müsse, und ja, wie ich mir den vorstelle, wo die Eier versteckt seien, die man doch für Schokoladenpudding brauche. An sowas habe ich noch nie gedacht. Ich denke selten an solche Dinge.

Pro Tag ein Ei?, frage ich. Katrina nickt.

Ein Ei entsteht in einem Tag? Katrina schüttelt den Kopf und hebt an mit Erklärung und lacht dann plötzlich auf, weil sie es selber auch nicht so genau weiss, wie lange die Eier brauchen, bis sie reif ins Nest gelegt werden können, das schräg ist, damit die unbefruchteten Möglichkeiten schön aufs Förderband herunter kullern.

Fünfzehn Tage. Schlägt sie vor, habe sie einmal gehört, und wir stellen uns fünfzehn Eier vor, die in einem Hühnerbauch Schlange stehen.  Katrinas dicke finger fahren durch ihr Bauernhaar, ihr Gesicht lacht, ihre Augen und ihr Mund –

ah!

10.10.07 12:49
 


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